Thermenmarathon Bad Füssing 01.02.2026

Bestimmt habt Ihr Euch schon gefragt, wieso so lange nichts mehr von mir gekommen ist. Aber nein, ich hab die Laufschuhe noch nicht an den Nagel gehängt. Dafür war ich von Juni bis November 2025 mehr oder weniger außer Gefecht gesetzt wegen eines Knochenmarködems in der Leiste. Das ist eine Flüssigkeitsansammlung im Knochen und wenn man das ignoriert, ist die Gefahr groß, einen Ermüdungsbruch zu erleiden. Und ein Ermüdungsbruch dauert ewig, bis er ausgeheilt ist, also besser kein Risiko eingehen.

 

Das Problem ist, dass die Fitness arg leidet, wenn man so lange aussetzt. Das Winterwetter hat das Training zusätzlich erschwert und so bin ich momentan nur in der Lage, maximal einen Halbmarathon zu laufen (immerhin schon wieder das!). Bin ich letztes Jahr in Bad Füssing noch den ganzen Marathon gelaufen, so starte ich diesmal bei meiner 11. Teilnahme nur beim Halbmarathon.

Der Thermenmarathon ist zwar nicht mehr ganz so ein Schnäppchen wie früher, aber in der Anmeldegebühr sind immer noch der Eintritt in die Johannesbadtherme am Samstag und am Sonntag, sowie die All-you-can-eat Pastaparty am Samstag enthalten. Viele Stadtmarathons, die das Doppelte kosten, bieten nicht einmal mehr eine Pastaparty an.

 

Wir wohnen wieder in fußläufiger Nähe, sodass wir am Lauftag gemütlich im Hotel frühstücken können und uns etwa eine Stunde vor dem Start (10 Uhr, um 9:45 starten die 10-km-Läufer) auf den Weg zur Johannesbadtherme machen, wo Start und Ziel sind.

Es ist gerammelt voll, weil die große Mehrzahl der Läufer erst heute direkt zum Start kommt und alle sich die Startunterlagen abholen müssen. Wir haben das schon am Vortag erledigt und so kann ich ganz entspannt auf meinen Einsatz warten. Wir treffen wieder den alten Bekannten und österreichischen Marathonmeister Gerhard Wally (der heute seinen 777. Marathon läuft!!) und den blinden Anton, der auch praktisch jedes Jahr dabei ist.

Nach dem Start der 10-km-Läufer reihe ich mich recht weit hinten in der Aufstellung ein. Weitere bekannte Gesichter hab ich erst mal nicht gesehen.

Den ohrenbetäubenden Startschuss geben wie jedes Jahr die Böllerschützen am Feldrand und dann geht’s auch schon los. Ich laufe zurückhaltend los und bin trotzdem bereits schneller als geplant. Es ist unglaublich, wie sehr einen die Masse mitreißt. Aber meine Pace normalisiert sich rasch auf etwas unter 7 Minuten pro Kilometer; das würde eine Endzeit von etwas unter zweieinhalb Stunden ergeben, was mein erklärtes Ziel ist. Ob ich allerdings dieses Tempo konstant auf der gesamten Strecke halten kann, ist noch völlig offen.

Kurz nach dem ersten Kilometer höre ich von hinten „da ist ja der Frankenblitz“: es ist Roland, den ich schon auf der Starterliste vermisst hatte. Er hat sich erst gestern nachgemeldet, nachdem das Wetter ganz brauchbar angesagt war (er ist mittlerweile tatsächlich ein „Schönwetterläufer“ …): der Himmel ist leicht bedeckt, Temperatur 0 bis 2 Grad, Wege sind schneefrei und trocken und es gibt keinen Wind, also fast optimale Bedingungen.

Roland möchte das gleiche Tempo laufen wie ich – allerdings wird er den ganzen Marathon laufen. In Bad Füssing muss man dafür den Halbmarathon zweimal bewältigen, sodass ich die erste Hälfte mit ihm zusammen laufen kann. Roland war früher Lauftherapeut und Laufcoach und kann extrem konstant laufen. Das hilft mir, das Tempo beizubehalten. Außerdem ist es sehr angenehm, dass Roland sich an den Versorgungsstellen genauso viel Zeit lässt wie ich.

 

Der Halbmarathon besteht aus einer 11-km- und einer 10-km-Runde. Wir sind auf der ersten 11-km-Runde, die eine etwa 100 Meter lange Pendelstrecke beinhaltet. Direkt danach kommt eine enge Unterführung. Neben der Brücke bei Kilometer 3 und einer weiteren Unterführung bei Kilometer 18 die einzige nennenswerte Steigung (insgesamt hab ich 24 Höhenmeter gemessen).

Es strengt mich schon ziemlich an, das gleiche konstante Tempo wie Roland zu laufen, aber ich bemühe mich und bleibe dran. Und so erreichen wir das Ziel zum ersten Mal nach 11 km und 1:16 Stunden, also genau nach Plan. Der blinde Anton ist mit seinem Begleiter bereits weit vorausgelaufen; die beiden kommen 6 Minuten vor uns durch. Ich hole mir mein Gel von meinem Lieblingsfan ab und laufe bis zur Versorgungsstelle weiter. Dass dort die Dixie-Klos mit einem Flatterband gesperrt sind, fällt mir gar nicht auf. Roland macht mich später darauf aufmerksam. Sehr merkwürdig!

Auch auf der zweiten, 10 km langen Runde hilft es mir sehr, meinem Pacemaker Roland zu folgen, der wie ein Uhrwerk knapp unter 7 Minuten pro km läuft. Aber es strengt an, mehr als mir lieb ist! Etwa bei Kilometer 15 muss Roland austreten und so laufe ich alleine weiter. Noch eine schnelle Cola an der für mich letzten Versorgungsstelle (die Versorgung ist übrigens Spitze, wie immer!) und dann bemühe ich mich, das Tempo auch alleine zu halten.

 

Die Strecke wurde neu vermessen und offenbar für etwas zu kurz empfunden, so dass man in Egglfing noch eine kurze Pendelstrecke eingebaut hat. Roland ist bereits wieder knapp hinter mir, aber nachdem ich das Tempo auf Biegen und Brechen halte, holt er mich auch nicht mehr ein, denn er läuft stur absolut konstant sein geplantes Tempo.

Bei Kilometer 19 überholt mich bereits der führende Marathonläufer. Das hatte ich schon erwartet. Aber nach ihm kommen noch einige weitere Marathonis und auch eine Frau. Die haben aber noch eine 10-km-Runde vor sich, also keine Panik! Einen 3-km-Abschnitt der Strecke läuft man ja auf jeder Runde.

 

Der Barfußläufer kommt nach 1:50:53 ins Ziel des Halbmarathons. Die Frau mit der Startnummer 29 ist die spätere Siegerin des Marathons (2:46:40), Anton mit Begleiter kommen nach 2:14 Stunden das vorletzte Mal durchs Ziel (spätere Gesamtzeit 4:35:16), 7 Minuten später läuft Theo Huhnholdt durch, einer der beiden einzigen Läufer, die alle 31 Thermenmarathons gelaufen sind (spätere Endzeit 4:59:44 und damit eine absolute Punktlandung, denn hier gilt eine Zielschlusszeit von 5 Stunden) und eine weitere Minute danach Gerhard Wally (der am Ende mit 5:10:14 zwar die Zielschlusszeit überschreitet, aber trotzdem noch in die Wertung kommt; und dachte er erst, er wäre der letzte, kommen noch 3 weitere Läufer in die Wertung, der Letzte in 5:35:25, so eng wird die Zielschlusszeit also nicht gesehen).

Kurz vor mir kommt also der Sieger der Marathondistanz ins Ziel. Mit 2:24:14 knackt er den alten Streckenrekord. Ich komme nach 2:27:23 ins Ziel und hab damit mein Ziel exakt erreicht (ein Schnitt von 6:58 Minuten pro Kilometer). Ich bin also sehr zufrieden und nehme erfreut meine Medaille von meinem Lieblingsfan entgegen.

 

Roland macht sich nun auf zur zweiten Hälfte des Marathons.

Ich bin fix und fertig. Ich hätte keine 2 Kilometer mehr in dem Tempo laufen können. Was für ein Glück, dass ich mit Roland einen tollen Pacemaker hatte. Da muss ich noch ganz schön viel trainieren, um den ganzen Marathon zu schaffen (Ende April in Hamburg!). Aber erst mal geht es ins schöne warme Thermalwasser.

 

Als wir uns nach dem Baden auf dem Weg ins Hotel machen, sehen wir gerade noch Roland ins Ziel kommen. Mit 4:54:36 ist er auch die zweite Hälfte absolut konstant durchgelaufen und damit noch gut vor der Zielschlusszeit angekommen. Bewundernswert! Vielleicht sollte ich ihn als „Hasen“ für Hamburg engagieren. Nachdem er noch nie in Hamburg gelaufen ist, wäre das vielleicht sogar eine gute Idee. Geht aber leider nicht, denn Hamburg ist schon seit Wochen ausverkauft; es ist nämlich ein Jubiläumslauf und findet zum 40. Mal statt. Der blinde Anton wird dabei sein, mal sehen, ob ich ihn dort treffe.